Durch somatische Arbeit zu nachhaltiger Wirksamkeit als Leader*in.
- vor 2 Stunden
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Kaum ein Begriff ist gerade so präsent und fast inflationär benutzt wie Nervensystemregulation und Somatics. Man liest und hört sie überall – in Posts, Podcasts, Trainings. Und trotzdem erlebe ich in meiner Arbeit mit Frauen und Leaderinnen immer wieder dasselbe: Den wenigsten ist eigentlich klar, was somatische Arbeit tatsächlich bedeutet. Und noch weniger, welchen hohen Stellenwert ein reguliertes Nervensystem für vertrauensvolle, empathische & resonante Beziehungen, Kreativität, Neugier und vor allem für nachhaltigen Impact hat.
Deshalb werde ich in diesem Blogbeitrag zunächst Licht ins Dunkel bringen und starte direkt mal mit ein paar Beispielen, was Somatics nicht bedeutet.
Was somatische Arbeit nicht ist.
Das Wort somatisch leitet sich vom griechischen Wort soma ab und bedeutet wortwörtlich übersetzt Körper. Das lässt vermuten, dass alle Aktivitäten, in denen dein physischer Körper involviert ist, auf der somatischen Ebene wirken. Differenzierter betrachtet gibt es allerdings einen bedeutenden Unterschied.
Aktivitäten wie Yoga, joggen, tanzen oder auch ein Waldspaziergang können regulierend wirken – aber sie sind nicht per se somatisch, solange der Fokus rein auf Bewegung, Leistung oder speziellen Übungsabfolgen liegt oder, meist unterschätzt, vielleicht sogar dem Zweck der Kompensation oder (Selbst)Optimierung dient. Der Körper wird dabei vorrangig als physisches Tool benutzt, um etwas im Außen zu erreichen: Muskeln zu trainieren, sich fortzubewegen, Stoffwechsel ankurbeln oder bestimmte Abläufe abzuspulen. Und all das kann ohne jegliche Verbindung zum eigenen Körpererleben erfolgen.
Du kannst deinen Körper bewegen, ohne jegliche Verbindung zum eigenen Körpererleben zu haben und ohne zu spüren, was dich innerlich wirklich bewegt.
Die Bewegungsform allein macht jedoch noch keine somatische Praxis aus – entscheidend ist vielmehr die Qualität der bewussten Aufmerksamkeit, die wir währenddessen mitbringen und, wo wir diese hinlenken.
Was ist somatische Arbeit wirklich?
Initial geprägt wurde der Begriff Somatics Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre vom amerikanischen Feldenkreislehrer Thomas Hanna. Allen somatischen Methoden ist gemein, dass es sich weniger um eine starre Form der Bewegungsausführung handelt, sondern vielmehr um ein neugieriges, wertungsfreien Erforschen deines eigenen, inneren Erleben. Die Aufmerksamkeit wandert bewusst vom Kopf in den Körper und damit von außen nach innen, um ein neues Bewusstsein für all das zu bekommen, was sich in dir bewegt.
Diese verschärfte körperliche Wahrnehmung hilft dir sukzessive zu erkennen, wie dein autonomes Nervensystem unterbewusst auf vermeintlich gefährliche Situationen in deinem Alltag reagiert, um dich zu schützen. Dadurch bekommst du ein besseres Gespür, in welchen Situationen dein Leben tatsächlich in Gefahr ist und, wann dein Nervensystem aus Gewohnheit mit Anspannung, innerlichem Aufruhr und innerem Rückzug reagiert, obwohl du eigentlich offen und neugierig sein möchtest.
Somatische Tools unterstützen dich dabei zu verstehen, wie dein Körper und dein Nervensystem auf bestimmte Situationen reagieren – bevor der Kopf die Geschichte dazu erzählt.
Hier mal ein Beispiel, um es greifbarer zu machen. Obwohl ich im privaten Bereich stundenlang über die individuelle und auch kollektive Bedeutung von körperorientierter Begleitung im Coaching sowie somatischen Tools zur Nervensystemregulation spreche, habe ich mich lange davor gewunden mich klar und deutlich als Somatic Leadership Coach zu positionieren. Allein der Gedanke daran, hat mein Nervensystem in den Alarmzustand versetzt. Ich habe ein innerliches Ziehen im Brustkorb und eine Enge im ganzen Körper gespürt. Mein Kopf hat sämtliche Argumente gefunden, um mich immer wieder davon abzubringen: "Du bist keine Expertin in dem Gebiet. Der bezug zum Körper ist esoterisch - du machst dich lächerlich damit. etc. " Somatische Arbeit hat mir dabei geholfen klar zu erkennen, was hinter den körperlichen Empfindungen steckt. Anstatt der ersten Reaktion des Nervensystems zu folgen und wegzulaufen, habe ich mich den Empfindungen zugewandt, ihnen bewusst Raum gegeben und sukzessive für mich erkannt, dass dahinter eine alte Angst liegt ausgelacht zu werden oder Zugehörigkeit zu verlieren, wenn ich mich mit meinen Themen zeige, die vor allem im Leadershipkontext noch einer Nische angehören und vielleicht als esoterisch eingestuft werden könnten. Doch wie bin ich dahinter gekommen?
Neurophysiologische Daten deuten darauf hin, dass in bestimmten Körper–Gehirn-Bahnen wie dem Vagusnerv rund 80% der Signale bottom-up, vom Körper zum Gehirn laufen.
Der Schlüssel ist Somatic Awareness.
Die Schulung deiner Körperwahrnehmung und deiner Intuition über die bewusste Aktivierung deiner Sinne. Es zählt nicht nur das, was du im Außen siehst oder gedanklich analysierst, sondern die bestätigende Verbindung zu dem, was du dabei in dir spürst: verändertes Temperaturempfinden, Spannung, Enge, Weite, Schwere, Kribbeln, Herzschlag, Atemrhythmus - you name it.
Diese Wahrnehmung ist kein Nebenschauplatz zu deinem kognitiven Verstand, sie ist eine eigenständige Informationsquelle. Denn neurophysiologische Daten deuten darauf hin, dass in bestimmten Körper–Gehirn-Bahnen wie dem Vagusnerv rund 80% der Signale bottom-up, vom Körper zum Gehirn laufen. Das bedeutet: Dein Gehirn wird zu einem großen Teil davon geprägt, was gerade in deinem Körper passiert. Und dieser Informationsfluss zeigt dir meist ungefiltert und wesentlich schneller, als jeder Gedanke es könnte, was gerade in dir passiert, was du brauchst, um dich zu regulieren und in diesem Moment aus einem inneren Zustand der Sicherheit zu agieren.
Somatische Arbeit nutzt den dominanten Informationsfluss vom Kopf ins Gehirn.
Indem du lernst, feine Körperempfindungen wahrzunehmen und bewusst zu beeinflussen, z.B. über Atem, Haltung, Bewegung, Orientierung im Raum, veränderst du direkt die Signale, die dein Nervensystem als „sicher“ oder „bedrohlich“ interpretiert. Wenn der Körper mehr Sicherheit meldet, reduziert sich die Alarmbereitschaft im Gehirn. Präsenz, Impulskontrolle und Entscheidungsfähigkeit steigen. So entsteht ein stabileres Grundgefühl von Sicherheit und Verbundenheit, dass deine Regulationsfähigkeit stärkt und die Kapazität deines Nervensystems erweitert, flexibel und bewusst auf die Anforderungen des Lebens zu reagieren. Dadurch entwickelst du die Fähigkeit, Unsicherheiten, Krisen und Ambivalenzen im Leben ressourcenvoll und handlungswirksam zu begegnen, statt destruktive Muster zu reproduzieren.
Wie stärkt somatische Arbeit deine Wirksamkeit als Leaderin?
Die große Frage ist jetzt sicherlich, was all die Erläuterungen zu somatischer Arbeit und ein Bewusstsein für dein inneres Erleben mit dem Thema Leadership und Impact zu tun haben? Entscheidend ist hierbei der Fakt, dass Nervensysteme nie für sich allein stehen, sondern miteinander interagieren und sich wechselseitig beeinflussen. Was das übertragen auf das Thema Leadership bedeutet, erfährst du im nächsten Abschnitt.
Der innere Zustand von dir als Leaderin färbt auf deine Umgebung ab.
Je regulierter du als Leaderin bist, desto sicherer wir der Raum empfunden, den du für andere hältst. Die Nervensysteme der Menschen, die dich umgeben entspannen sich und es öffnet sich ein Raum für Kreativität, Mut, Weitblick und Vertrauen. Menschen fühlen sich freier, risikobereiter und sind bereit sich dir anzuvertrauen - egal, ob es sich um unfertige Innovationen oder um Fehler bzw. Missstände im persönlichen Miteinander handelt.
Je hochfunktionaler und dysregulierter du als Leaderin dagegen bist, desto mehr Spannung ist im Raum. Die Energie verdichtet sich und versetzt die Nervensysteme in deinem Umfeld in Alarmbereitschaft. Das führt zu verstärkter, körperlicher Anspannung, innerer Unruhe, Tendenz zu Perfektionismus als Schutzmechanismus, einem verengten Blickfeld und ganz subtiler wahrgenommener Unsicherheit. Menschen halten sich eher zurück, Fehler werden auf andere abgewälzt und Konflikte brodeln im Untergrund, aus Angst vor Sanktionierung oder Bloßstellung.
Der Zustand deines Nervensystems ist die unsichtbare Instanz im Raum, die über deine Resonanz und deinen Impact als Leaderin entscheidet. Ganz egal, ob du als Führungskraft, Changemakerin, Gründerin oder als Mutter in den Lead gehst.
Somatische Arbeit übersetzt diesen inneren Zustand in drei zentrale Führungsqualitäten:
Selbstregulation vor Strategie: Bevor neue Pläne, To-do-Listen oder Strategien wirklich tragen können, braucht dein System ein Minimum an Sicherheit. Somatische Übungen helfen dir, dein Nervensystem aktiv zu beruhigen oder zu aktivieren, damit du aus einem stabilen inneren Fundament heraus führst, statt aus Überlebensmodus, Druck oder innerer Leere.
Entscheidungsfähigkeit: Ein reguliertes Nervensystem ermöglicht mehr Präfrontalkortex-Aktivität: Du kannst Impulse besser steuern, Optionen klarer gewichten und schneller zwischen „wichtig“ und „dringend“ unterscheiden. Entscheidungen werden weniger reaktiv, weniger von Angst oder Überfunktion getrieben und mehr von Klarheit und Weitsicht.
Kongruenz: Wenn Körper, Emotion und Sprache übereinstimmen, wirkt deine Kommunikation authentischer und vertrauenswürdiger. Andere spüren: „Hier stimmt etwas.“ Diese innere Stimmigkeit reduziert Missverständnisse, stärkt Beziehungen und macht dich als Leaderin berechenbar im guten Sinne.
Die Wirksamkeit von Leadership hängt folglich nicht in erster Linie davon ab, was du sagst oder tust, sondern vielmehr, wie du dich innerlich dabei fühlst. Je klarer du diesen inneren Zustand benennen und beeinflussen lernst, desto klarer triffst du Entscheidungen, desto präsenter bist du bei deinem Gegenüber und desto schneller erkennst du, wo du aus einem erlernten Reflex deine Gefühle projizierst oder kompensierst, um dich vor Verletzung zu schützen.
Somatische Arbeit hilft dir, die eigenen Muster zu erkennen und den Weg in einen regulierten Zustand zu lernen – als Grundlage für bewusste, nachhaltige Wirksamkeit statt Dauerbelastung im Survival Mode. Einen Anfang kannst du mir den folgenden fünf Tools machen.
Fünf somatische Tools für mehr Selbstwirksamkeit
Die folgenden fünf Tools brauchen keine große Vorbereitung, keine Vorkenntnisse und keinen geschützten Rahmen. Sie sind bewusst so gewählt, dass du sie unkompliziert in deinen Alltag integrieren und so die Verbindung zu dir und deinem Körper stärken kannst.
Keines dieser Tools braucht viel Zeit, eine Yogamatte oder einen ruhigen Raum. Sie lassen sich mitten im Arbeitsalltag anwenden, vor dem schwierigen Gespräch, zwischen zwei Meetings, in der Bahn und vor allem in den Momenten, in dem du merkst, dass etwas in dir eng wird und du dazu tendierst dich emotional zu verkämpfen.
Noch ein Tipp zur Umsetzung im Alltag: Fange mit einer Übung an und praktiziere diese regelmäßig am Tag, z.B. immer dann, wenn dein Handy klingelt du an einer roten Ampel stehst oder dich in ein neues Onlinemeeting einwählst. Je häufiger du die Tools anwendest, desto mehr neue neuronale Verknüpfungen werden in deinem Gehirn gebildet, die dir einen inneren Zustand von Sicherheit und Verbundenheit suggerieren.
Und dieser innere Zustand ist der Raum, in dem du innerlich frei und verbunden zugleich wirksam wirst und dein Impact die Resonanz erzielt, die du dir für die Welt wünschst.
👉🏻 Teile gerne in den Kommentaren, welche Tools du ausprobiert hast und, was sich dadurch verändert hat. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.
PS: Wenn du spürst, wie gut dir diese kleinen Momente der Selbstregulation tun, und Lust hast, das noch tiefer zu üben, ist Somatic Yoga ein natürlicher nächster Schritt: Hier verbindest du Grounding, Atem, Orientierung und bewusstes Spüren mit sanften Bewegungen, um dein Nervensystem nachhaltig auf Sicherheit und Präsenz zu trainieren. Mein Somatic Yoga (online) bietet dir genau diesen Raum – regelmäßig, angeleitet und wirksam für deinen Alltag als Leaderin.












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